kire.ch Rollenspiel Deadend
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Is all that we see or seem but a dream within a dream? -- Edgar Allan Poe


15. September 2009

Leviathan, der Eine der Alle ist

Do. 27.2. – Di. 16.03.98, 400 km nordwestlich von Lod auf der Fahrt nach Arbiträa, Ismael Engels Log

Ich glaub ich kack ne Krake. Als ich wieder zu mir komme, bin ich auf der Seashark. Die andern beiden sind auf dem Weg zur geheimen Basis. Weshalb? Wir wollten da doch so schnell wie möglich weg. Ich sollte meine Pappenheimer langsam kennen: Sie haben den Laptop mit den Daten auf dem Transporter vergessen. Verdammte Brachsmenhirne. Nun da hilft nur beten: Heil Eris.

So nun habe ich die Daten endlich. Der Datensatz kann meinen Künsten nicht widerstehen und ist in Kürze geknackt. Die wollten da Menschen mit Kiemen züchten, die Schweine. Auch mit Implantaten haben sie experimentiert. Was nun? Wie schlagen wir Profit aus den Daten und bleiben trotzdem am Leben? Während ich schlief, haben die anderen zwei die Infos an den Liberdom verkauft. Läppische 100′000 Lex gab’s dafür. Immerhin, sie haben uns absolute Verschwiegenheit garantiert. Und das sollten die von Liberdom eigentlich beherrschen, sind sie doch mehr oder weniger die einzige Informationsquelle auf die man sich in Lod verlassen kann, und die auch einmal eine Geschichte bringt, die die Oberen nicht gerne lesen. Da haben wir dem Netzwerk prächtig eins reingebrannt. Zudem haben sie die Daten dem Obersten Gericht von Lod übergeben und die Kopie vernichtet. Da geht es einigen an den Kragen, ist zumindest zu hoffen. Die werden ganz sicher einen Weg finden, da was zu mauscheln.

Heute ist der Artikel erschienen. Im Grossen und Ganzen haben sie sich an die Wahrheit gehalten. Unterdessen haben wir das Boot repariert und das Honorar aufgeteilt. Maurice und ich haben je 25′000 LEX erhalten, der Rest wurde ins Boot investiert. Leroy bewies, dass er auch eine gemütliche Seite hat und lud uns zum SPOHA-Spiel ein. Es spielten die Leviathans, ein Fingerzeig Eris? Wer glaubt schon an Zufälle? Anfänger und Grünfische höchstens. Sie spielen vorne mit, und sie sind aus Arbiträa, den discordischsten Meeresbewohnern die ich kenne. Definitiv kein Zufall. Habe mir sofort eine Leviathan-Fanmütze gekauft und auf dem Boot, das nun mein Zuhause ist, goldene Äpfel daran genäht. Zumindest sind sie golden, was ein Apfel ist, weiss ich nicht. In meinen Träumen sah es so ähnlich, wie eine runde Flosse aus. Maurice ist auch Fan der Leviathans, aber aus eigenen Gründen. Er hat die wahre Dimension der Sache noch nicht erkannt. Bei ihm scheint das Heimatgefühl und sein diffuser Ehrbegriff Grund zu sein, auf diese Mannschaft zu setzen.

Der Besuch der SPOHA-Spiele hat sich bei unserem kleinen Grüppchen zur Tradition entwickelt. Endlich ein gemeinsamer Nenner. Gut, Leroy ist natürlich Lod-Fan. Die dümpeln im Mittelfeld. Heute ist der entscheidende Spieltag. Die Novas sind Erster vor uns. Wenn sie heute gewinnen, schliessen sie die erste Runde auf dem ersten Platz ab. Und es kommt wie es kommen muss. Der Gegner leistet keine Gegenwehr. Im ersten Drittel saufen gleich alle fünf ab, ohne einen Novaler zu treffen. Das sieht schwer nach Betrug aus. Erbost werfe ich den Becher voll Algenpfütze an die Beckenwand. Wir spielen gegen die Scientianer. Schadensbegrenzung ist das Stichwort. Weshalb sprechen die eigentlich von den Leviathans, es gibt doch nur einen? Der Eine der Alle ist. Der Leviathan, die Mannschaft. Aber der Leviathan verstrickt sich in Einzelaktionen. So kann man nicht gewinnen. Und das nächste Spiel ist gegen die BFS-Brut. Andere Mannschaften sind Gegner, die BFS-Brut ist der Feind schlechthin. Und ich habe mir bereits etwas überlegt, wie ich den Leviathan im nächsten Spiel unterstützen kann. Maurice hält es auch für eine gute Idee und ist bereit, mir zu Helfen. Im Grunde hat er ja doch ein gutes Herz, vor allem wen es um SPOHA geht. Der Plan ist folgender: Die Becken sind oben offen und in Wurfreichweite. Es sollte also ein leichtes sein, etwas da oben rein zu werfen. Wir überzeugen Leroy, uns mit Fracht nach Arbiträa fahren zu lassen. Dort kaufen wir uns Farbe um das Becken einzufärben. Natürlich die Vereinsfarben des Leviathans: blau-schwarz. Und für das dritte Becken nehmen wir goldene Farbe. Müssen wir nur noch raus finden, worin wir die Farbe ins Becken schmeissen. Es sollte etwas sein, das entweder aufplatzt oder sich im Wasser zersetzt. Natürlich zickt Leroy wegen des Bootes. Er lässt sich auch nicht überzeugen, als ein weiterer Fan der Leviathans sich anbietet, sich für uns nach Fracht umzuhören. Ella Mortier ist ihr Name, und sie arbeitet auf der Hafenverwaltung. Hafenverwaltung tönt gut, tönt interessant, tönt so als ob es vielleicht doch eine Möglichkeit gäbe, Doropax durch den Zoll zu bringen. Aber erstmal legale Geschäfte tätigen und Vertrauen aufbauen. Wir nehmen Ella mit in die TA-Bar und quatschen noch ein bisschen rum. Sie ist eine Arbiträerin aus dem Hause der Diplomaten, und Maurice flirtet schon wieder wie ein Weltmeister mit ihr. Ok, die Figur ist ja nicht schlecht und der Anzug, vor allem der Ausschnitt, betont ihre körperlichen Vorzüge. Sportlich, aber etwas zu burschikos für meinen Geschmack. Doch Maurice scheint es zu gefallen.

Ella meldet sich früher als erwartet wieder. Eigentlich haben wir erst morgen Mittwoch mit ihr in der TA-Bar abgemacht. Nun steht sie vor dem Schott der Seashark und faselt was von Lebensgefahr und Dringlichkeit. Es scheint uns nicht vergönnt zu sein, ein ruhiges Leben als Fantransporteure mit Zusatzverdienst zu geniessen. Maurice und ich hatten bereits Pläne: Wir wollten den Innenraum der Seashark blau-schwarz streichen und mit Fantransporten von und nach Arbiträa gutes Geld verdienen. Mit dieser Tarnung und unseren neuen Beziehungen zur Hafenbehörde, hätten wir gut Geld verdienen können. Leroy hätte sich nach ein paar Jahren sicher an die Farben gewöhnt. Ella will, dass wir sofort mit dem Subtaxi mitkommen. In ihrer Wohnung auf Ebene 48 in Lod5 will sie sich mit Leroy treffen. Eben 48, das kennen wir, das ist die Fallenregion. Wir gehen dennoch ohne unsere Waffen hin, wir hätten sie ja doch nicht durch den Zoll gebracht, und Waffentragscheine können wir uns nicht leisten. Auf Ebene 48 angelangt zückt Ella ihren hübschen „peng und zzzt“ Elektroschockerstab. Aus Schaden klug geworden, lasse ich sie vorangehen. Leroy sichert meinen Rücken. Da ich mich nicht verraten will, lasse ich Ella die Tür öffnen. Und promt kriegt sie eins über den Schädel gezogen. Nach kurzem Kampf flüchten wir. Aber was macht Leroy? Läuft er ebenfalls in die Falle? Wir überprüfen drei der Zugänge zur Ebene 48 aber das Vorhaben ist hoffnungslos, zu viele Menschen. Bleibt nur noch zu hoffen. Wir begeben uns zu Leroys Boot. Aber was heisst da schon Leroys Boot? Eigentlich gehört es auch ein bisschen uns, zumindest der Geschützturm, der mit unserem Geld repariert wurde.

Leroy hat es geschafft. Nun will Ella, dass wir mit ihr zu einer geheimen Militärbasis ihres Volks fahren, um ihre Eltern zu warnen. Terroristen wollen die Basis zerstören, und nur wir könnten rechtzeitig dort ankommen um die Basis zu evakuieren. Hanebüchen, die Geschichte. Ich glaub ihr kein Wort. Für eine halbe Million Lex pro Nase werden wir ihr helfen. Wir erhalten 50′000 Lex als Anzahlung. Feilschen scheint nicht unsere Stärke zu sein. Unverzüglich wird der Anker gelichtet. Die beiden Arbiträäer streiten um den Sitz im Cockpit. Weshalb heisst das eigentlich so? Hahnenfalle, was soll das? Oder hat es was mit männlichen Geschlechtsorganen zu tun, die dort abgebaut werden?

Ich hasse das, diese Fahrten ins Ungewisse. Man weiss nie, ob man sich langweilen soll oder sich vor Spannung in die Hosen scheissen. Jederzeit kann etwas passieren, wer weiss schon wann und wo? Schlafen oder Wachen? Na gut, solange wir die Transportroute nicht verlassen, sollten wir keine Probleme haben. Ich entscheide mich für Lesen. Howard, lebst du noch?

Zwei Stunden später meldet sich der Sonar. Torpedo incoming. Zum Schweinswal. Mitten auf der Transportroute. Handlares, Transporter mit der Kennung DS Bohater. Maurice bedient die Abfangnetze sehr geschickt und fängt die Torpedos ab. Währenddessen stelle ich Ella zur Rede. Wer konnte uns hier finden? Wer greift uns an, obwohl wir noch auf der Transportroute sind und es viele Zeugen gibt? Vielleicht sollten wir umkehren. Ella trägt bestimmt einen Peilsender, wie sonst hätte man uns sonst so schnell gefunden. Und das erst noch mit einem Transporter, der langsamer als unser Schiff ist. Jedenfalls verstrickt sich Ella, oder wie sie auch immer heisst, in Widersprüche. Schmeissen wir sie ins Meer, dann haben wir wenigstens die Anzahlung und unsere Leben auf sicher.

Verfasst von Vinc und abgelegt unter: LodlanD
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